Sommertour 21 zu Besuch beim AWO Servicehaus in Mettenhof

Selbstbestimmt wohnen, bedarfsgerecht versorgt werden und in Würde altern: das setzt auch ein quartiersbezogenes Netzwerk und eine kluge Verknüpfung der medizinischen, pflegerischen und bürgerschaftlichen Infrastruktur voraus. Diesen Anspruch verfolgt auch die AWO Landesverband Schleswig-Holstein e.V. bereits in einer langen Tradition an mehr als 40 Standorten in unserem Bundesland. Hierzu gehören auch die Förderung innovativer Wohn- und Pflegekonzepte in unserer Stadt.

Um mir einen aktuellen Eindruck in der Altenpflege vor Ort zu machen, habe ich auch das AWO Servicehaus in Mettenhof besucht. Gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der AWO Schleswig-Holstein, Michael Selck, der Einrichtungsleiterin Barbara Schäfer, der Sozialpädagogin Levka Paulsen und der engagierten Bewohnerin Brigitte Berg aus der Einrichtung wurde mir die besondere Belastung während der Pandemie eindringlich geschildert.

Auch hier wirken die Folgen der Pandemie auf besondere Weise nach. Zweifellos gehören die Einrichtungen der Altenpflege zu den besonders hart getroffenen Bereichen der Pandemie und es gilt in der sorgfältigen Nachbetrachtung alles aufzuarbeiten, um künftigen Herausforderungen angemessen begegnen zu können. Hierbei wird es für viele Träger zunehmend schwieriger, eine bedarfsgerechte Pflege aus den Teilleistungen der Pflegeversicherung und aus eigenen Mitteln sicherzustellen. Ganz zu schweigen von der hohen finanziellen Belastung der Betroffenen. Zudem wollen viele Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben. Darauf muss unsere Pflegepolitik mit dem Ansatz „ambulant vor stationär“ noch stärker ausgerichtet werden dürfen.

Im AWO Servicehaus Mettenhof werden aktuell 224 Ein- und Zweizimmerwohnungen mit 267 Mieter*innen und 36 vollstationäre WOHNpflegeplätzen vorgehalten. Die Nachfrage bleibt auch hier ungebrochen groß. Eine weitere Baustelle bleibt der konsequente Ausbau der Digitalisierung auch im Bereich der Pflege. Ein gutes Beispiel für Digitalisierung im Freizeitbereich der Mieter*innen ist das Musik Ensemble von Claudia Piehl. Sie hat die Mieter*innen dazu ermutigt, die Proben während der Pandemie weiterhin über Zoom stattfinden zu lassen. Das Ergebnis ist ein bewegender Film, der unter https://www.youtube.com/watch?v=Y15ngthD10Y eingesehen werden kann.

Besonders beeindruckt hat mich auch das weiterhin sehr hohe ehrenamtliche Engagement. In den AWO Servicehäusern sind mehr als 137 Ehrenamtliche tätig, davon mehr als 70 Mieter*innen aus dem eigenen Servicehaus und dem Quartier selbst.

Eine Gesellschaft des Respekts misst sich auch am Umgang mit den Bürger*innen, die auf Solidarität angewiesen sind und gepflegt werden müssen. Wir haben bereits dafür gesorgt, dass Angehörige mit einem Einkommen unter 100.000 Euro pro Jahr nicht mehr für die Pflegekosten herangezogen werden. Es braucht weiterhin eine Bürgerversicherung, die alle pflegerischen Bedarfe und Leistungen abdeckt. Ein erster Schritt dorthin ist für uns, für Pflegebedürftige mit kleinen und mittleren Einkommen den Eigenanteil zu deckeln, damit Pflege für sie bezahlbar bleibt. Wir müssen unsere Pflegeinfrastruktur weiter bedarfsgerecht ausbauen. Unsere Wohlfahrtspflege leistet hier einen besonderen Beitrag zum Gelingen. Ich danke allen Beteiligten für diesen intensiven Austausch und ihre herausragende Arbeit!