Sommertour 2021 zu Besuch bei der Kieler Tafel

Ein langersehnter Termin mit der Kieler Tafel, den wir pandemiebedingt aufschieben mussten, konnte endlich im Rahmen meiner Sommertour stattfinden. Gegründet wurde die Kieler Tafel bereits im Jahr 1995 als gemeinnütziger Verein und nach dem New Yorker Modell. Sie ist damit eine der ältesten deutschen Tafeln überhaupt.

Leider werden auch in unserem Land täglich etliche Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch verzehrfähig wären. Gleichzeitig sind in Deutschland viele Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen von zunehmender Armut betroffen. Ein Missstand, dem die Tafeln mit ihrer Arbeit etwas entgegensetzen. Es sind inzwischen mehr als 950 Tafeln bundesweit, die überschüssige Lebensmittel retten und an Menschen verteilen, die in Not sind. Rund 265.000 Tonnen Lebensmittel werden somit pro Jahr verwertet und an über 1,6 Millionen Betroffene weitergereicht.

Im Gespräch mit dem Vorstandsmitglied Till Kock und weiteren Ehrenamtlichen darf ich für unseren Standort Kiel und seine Ausgabestellen tiefe Einblicke gewinnen und auf bewegende Weise erleben, mit welchem Engagement dort für mehr als 2000 Kieler Haushalte Lebensmittel gelagert, sortiert, abgepackt und ausgeliefert werden. Eine echte logistische Leistung, die hier komplett ehrenamtlich gestemmt wird.

Die Pandemie hat auch hier wie ein Brennglas gewirkt, zeitweise zur Verknappung von Lebensmitteln geführt und weitere Betroffene beispielsweise in der Kurzarbeit in die prekäre Lage versetzt, erstmals auf die Tafeln zurückzugreifen – mit viel Scham und großen Existenzängsten.

Positiv bleibt weiterhin die hohe Bereitschaft eines großartigen Spenden-Netzwerkes in unserem Bundesland.

Damit Pandemie und Armut zum politischen Weckruf in Bund und Ländern werden, unterstützen die Deutschen Tafeln als Erstunterzeichnerinnen den Aufruf von #unteilbar und sind am 4. September 2021 bei der #unteilbar-Demo in Berlin für eine gerechte und solidarische Gesellschaft am Start!

Wie kaum ein anderes Thema begleitet mich die Auseinandersetzung mit Armut in meiner persönlichen und beruflichen Vita. Ehrenamtlich angefangen als Schülerin, Studentin, später als Sozialberaterin und Kommunalpolitikerin bis heute als Landespolitikerin. Für mich bleibt diese Seite der Medaille unserer Wohlstandsgesellschaft schwer zu akzeptieren oder gar hinzunehmen. Es ist ein notwendiger Aufschlag für meine weiteren Gespräche. Und ich verspreche Euch, dass mein Bemühen gegen Armut ungebrochen bleibt. Armut ist keine Option für unsere Gesellschaft!