Gewaltschutz ist keine Privatsache!

Beziehungstat, Ehrenmord, Tat aus Leidenschaft, Rosenkrieg- egal wie diese schrecklichen Gewalttaten bezeichnet werden, sie sind bittere Realität in Schleswig-Holstein und anderswo. Mehr als einmal pro Stunde wird in Deutschland eine Frau körperlich angegriffen und jeden dritten Tag eine Frau getötet. Gewalt nimmt auch in der Pandemie konsequent zu. Und sie kostet mehrheitlich Frauen das Leben. Sie traumatisiert Kinder und Jugendliche, Angehörige und Freunde bis an ihr Lebensende. Die systemrelevanten Leistungen der Frauenhäuser und Beratungsstellen sind deshalb jetzt wichtiger denn je.

Das Ausmaß durften wir auf tragische Weise zuletzt in Dänischenhagen und in Kiel erleben. Gewaltschutz ist keine Privatsache! Sie ist klarer politischer Auftrag, spätestens seit der Istanbul-Konvention als internationale Vereinbarung, die uns dazu verpflichtet, bedarfsgerechte Schutzräume und Beratungsstrukturen vorzuhalten. Die Opfer müssen den Zugang zu Schutzeinrichtungen sowie Beratung und Therapie unverzüglich angeboten bekommen. Dafür kämpfe ich als Kieler Landtagsabgeordnete und Sprecherin des Frauenbündnis gemeinsam mit vielen Unterstützer*innen!

Als Notfall – und Kriseneinrichtungen haben unsere Frauenhäuser die Aufgabe, Frauen und Kinder im Akutfall aufzunehmen. Sie können es derzeit aber nicht in dem notwendigen Umfang angesichts der hohen Auslastungsquoten. Ich habe erst kürzlich dazu das Kieler Frauenhaus aufgesucht, um mir ein aktuelles Bild vor Ort zu machen. Allein in unserer Landeshauptstadt Kiel waren es in 2020 mehr als 542 Frauen und Kinder, die keinen Platz im Kieler Frauenhaus gefunden haben. Kiel weist zudem als einzige kreisfreie Stadt weniger als einen Familienplatz pro 10.000 Einwohner*innen auf. Ähnlich sieht es auch an anderen Standorten aus, so dass hier ein dringender Handlungsbedarf besteht.

Als SPD-Landtagsfraktion haben wir bereits 2017 eine Bedarfsanalyse des Hilfesystems für gewaltbetroffene Frauen in Schleswig-Holstein vorgeschlagen, um die aktuelle Lage angemessen zu beurteilen. Der Bericht zur Bedarfsanalyse liegt vor. Den Empfehlungen müssen jetzt aber auch konkrete Handlungsschritte folgen. Aktuell gibt es für die Frauenhäuser 7,5 Mio. Euro über den kommunalen Finanzausgleich. Diese Summe reicht aber keineswegs mehr aus, um das Hilfesystem bedarfsgerecht aufzustellen. Das trifft auch auf das Kieler Frauenhaus zu.

Es stellt sich nicht mehr die Frage ob, sondern wie schnell auf diese Entwicklungen reagiert wird, damit keine Frau mehr um ihr Leben fürchten muss. Ich werde als Abgeordnete mit meinem Verbündeten nicht nachlassen, bis kein Mädchen, keine Frau, kein Mensch mehr um Leib und Leben fürchten muss! Dafür haben wir zuletzt hier in Kiel mit einem breiten Frauenbündnis am 11. Mai 2021 zum 10-jährigen Jubiläum der Istanbul-Konvention auf dem Kieler Rathausplatz ein deutliches Zeichen gesetzt.

Hier die Presse dazu:

https://www.kn-online.de/Kiel/Kieler-Frauenhaus-hat-zu-wenig-Plaetze-2020-ueber-500-Frauen-und-Kinder-abgewiesen

https://www.kn-online.de/Kiel/Lichterkette-in-Kiel-auf-dem-Rathausplatz-gegen-Gewalt-an-Frauen