Berufliche Bildung darf nicht vergessen werden

Berufliche Bildung
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In der öffentlichen Wahrnehmung vieler Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen erwächst dieser Tage verstärkt der Eindruck, dass vor allem lediglich drei Abschlüsse besondere Priorität und Aufmerksamkeit erfahren: das Abitur, der mittlere Schulabschluss und der erste allgemeinbildende Schulabschluss. Dass es zahlreiche Bildungsgänge im berufsbildenden Bereich gibt, die auch zu anderen und zu den sog. systemrelevanten Abschlüssen führen, findet aus unserer gemeinsamen Betrachtung heraus eindeutig zu wenig seinen würdigen Platz in der Öffentlichkeit. Zweifelsohne sind alle Prüfungen, Abschlüsse und Berufsgruppen für unsere Gesellschaft von besonderer oder gar existenzieller Bedeutung. Die Berufsbildenden sogar in besonderer Weise.

Denn die Berufliche Bildung ist neben den allgemein bildenden Schulen die wichtigste zweite Säule des schleswig-holsteinischen Bildungssystems. Sie vermittelt den Schülerinnen und Schülern die erforderliche Grund- und Fachbildung für einen Beruf oder ein bestimmtes Berufsfeld und ermöglicht zugleich den Erwerb aller schulischen Abschlüsse.

Möglich ist das an den sechs Schularten der berufsbildenden Schulen: der Berufsschule, den Berufsfachschulen, den Fachoberschulen, den Berufsoberschulen, den Beruflichen Gymnasien und Fachschulen. 326 anerkannte duale Ausbildungsberufe spiegeln die Vielfalt unseres Ausbildungsmarktes auch in unserer Landeshauptstadt Kiel wider. Hierfür halten wir im Land 34 öffentliche berufsbildende Schulen und Regionalen Bildungszentren (RBZ) erfolgreich vor. Unsere Stadt ist hier vielfach Vorreiterin.

Und immerhin werden in SH knapp 88.000 Schülerinnen und Schüler im berufsbildenden Bereich beschult und stellen damit etwa ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler unseres Bundeslandes dar. Auch hier stellen die Kieler Schülerinnen und Schüler eine große Gruppe dar.

Deshalb darf auch dieser Teil bei der Betrachtung und Berichterstattung durch das zuständige Bildungsministerium und insgesamt durch die Landesregierung nicht vernachlässigt werden. Dafür setze ich mich weiterhin gemeinsam mit unseren Arbeitskreisen und Gewerkschaften politisch ein. Gleiches gilt für die Prüflinge in der dualen Berufsausbildung. Sie brauchen gleichermaßen gute Rahmenbedingungen für ihre Prüfungen. An berufsbildenden Schulen gehen inzwischen mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler in eine Abschlussprüfung mit zum Teil sehr komplexen und aufwändigen Gebieten.

Also vergessen wir sie nicht, unsere Handwerker, den Bäcker um die Ecke, die medizinischen Angestellten, den Pfleger oder die Erzieherin im Haus, die Floristin am Bahnhof oder die Verkäuferin im Einzelhandel, um nur einige von ihnen zu nennen.

Lasst uns auch hier gemeinsam unsere Wertschätzung deutlich zum Ausdruck bringen und für die berufliche Bildung weiter werben. Auch hier wünsche ich unseren Absolventinnen und Absolventen viel Erfolg bei den anstehenden Prüfungen! Wir brauchen Euch alle!

Und zum Abschluss: Im Ergebnis der gestrigen Bundesbeschlüsse der Koalition ist es uns als SPD gelungen, den digitalen Unterricht zu Hause mit 500 Mio. Euro zu stärken. Die Schulen werden mit einem Sofortausstattungsprogramm in die Lage versetzt, benachteiligten Schülern einen Zuschuss von 150 Euro für die Anschaffung entsprechender Geräte zu gewähren. Darüber hinaus soll die Ausstattung der Schulen gefördert werden, die für die Erstellung professioneller online-Lehrangebote erforderlich ist. Dort wo es nicht ausreichend wird, sehen wir das Land in der Pflicht und werden uns dazu positionieren. Näheres findet Ihr HIER.

Wir bleiben dran!

Mit solidarischen Grüßen
Deine

Özlem Ünsal
Kieler Landtagsabgeordnete (West)